Feuchtigkeitsblasen bei altem PLA im Sommer vermeiden
Warum PLA im Sommer besonders anfällig ist
PLA ist hygroskopisch, saugt also Feuchtigkeit aus der Luft wie ein Schwamm und speichert sie im Material. Im Sommer klettert die relative Luftfeuchtigkeit in Wohnungen und Kellern schnell über 60, manchmal 70 Prozent. Eine Filamentrolle, die schon ein Jahr offen im Regal steht, hat in dieser Zeit erstaunlich viel Wasser eingelagert, oft deutlich mehr, als man ihr ansieht.
Sobald das Material durchs Hotend läuft (190 bis 220°C), verwandelt sich das eingeschlossene Wasser schlagartig in Dampf. Der sucht sich dann seinen Weg nach außen, mitten durch das geschmolzene Filament, und genau das hört man als Knistern oder Zischen an der Düse. Gleichzeitig entstehen die kleinen Blasen und Risse, die den Druck ruinieren.
Typische Anzeichen für feuchtes PLA
- Knister- oder Zischgeräusche direkt an der Düse
- Kleine Bläschen oder Krater auf der Oberfläche des Drucks
- Matte, raue statt glänzende Oberfläche
- Fadenbildung (Stringing), obwohl die Retract-Einstellungen eigentlich passen
- Spröde, leicht brechende Druckergebnisse
- Unregelmäßiger Materialfluss, gelegentlich sogar verstopfte Düsen
Altes PLA richtig trocknen
Methode 1: Filamenttrockner oder Dörrgerät
Wer einen Filamenttrockner oder ein Dörrgerät aus der Küche zur Hand hat, ist klar im Vorteil, das ist die zuverlässigste Lösung:
- Temperatur: 45-55°C
- Dauer: 4-8 Stunden bei spürbar feuchtem Material, bei richtig alten, durchfeuchteten Rollen ruhig auch 12 Stunden
- Die Spule sollte liegend oder stehend gut umströmt werden, nicht direkt an der Heizquelle kleben
Methode 2: Backofen (mit Vorsicht)
Kein Trockner zur Hand? Der normale Backofen tut’s auch:
- Auf 45-50°C vorheizen, Umluft wenn möglich weglassen oder nur sparsam nutzen
- Filament auf ein Gitter legen, nicht direkt aufs Blech
- 4-6 Stunden trocknen lassen
- Wichtig: Nie über 60°C gehen, sonst verzieht sich die Spule oder das PLA wird spröde
Richtwerte zur Kontrolle
Getrocknetes Filament erkennt man ziemlich eindeutig: Das Zischen beim Testdruck verschwindet, und die Oberfläche bekommt ihren Glanz zurück. Wer es genauer wissen will, legt ein günstiges Hygrometer in die Trockenbox oder nutzt einen Filamentsensor mit Feuchtigkeitsanzeige. Als Zielwert gilt: unter 20 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit in der Box.
Richtige Lagerung während der Sommermonate
Trocknen bringt wenig, wenn das Filament danach wieder tagelang in feuchter Raumluft herumliegt. Für die Sommermonate hat sich Folgendes bewährt:
- Vakuumbeutel mit Silicagel: Nach jedem Druck sofort zurück in den Beutel, die Silicagel-Pads alle paar Wochen bei 50°C im Ofen regenerieren
- Trockenboxen mit Durchführung: So lässt sich direkt aus der luftdichten Box drucken, ohne das Filament zwischendurch der Raumluft auszusetzen
- Kühler, trockener Lagerort: Der Keller fühlt sich oft trockener an, als er tatsächlich ist, im Sommer ein klimatisierter Raum ist die bessere Wahl
Druckeinstellungen anpassen, wenn du nicht sofort trocknen kannst
Manchmal muss es eben schnell gehen, ohne Zeit zum Vortrocknen. Dann helfen diese Kniffe zumindest etwas:
- Drucktemperatur um 5-10°C erhöhen, damit der Dampf schneller entweichen kann
- Druckgeschwindigkeit etwas drosseln
- Kühllüfter leicht zurücknehmen, dadurch fallen Oberflächenfehler weniger auf
Nur, ganz ehrlich: Das löst das eigentliche Problem nicht, es kaschiert es bestenfalls. Wer belastbare, sauber aussehende Teile will, kommt an einer gründlichen Trocknung nicht vorbei.
Fazit
Blasen und Zischgeräusche bei altem PLA im Sommer sind kein Druckerdefekt und keine kaputte Düse, sondern schlicht eingelagertes Wasser im Filament. Mit konsequentem Trocknen bei 45-55°C über mehrere Stunden, anschließend luftdichter Lagerung mit Silicagel und ein bisschen Geduld lassen sich auch Jahre alte Rollen wieder zu sauberen, blasenfreien Drucken verarbeiten. Und wer in den feuchten Sommermonaten regelmäßig druckt, sollte sich ernsthaft eine dauerhafte Trockenbox anschaffen, das spart auf Dauer Material, Zeit und ziemlich viel Nerven.